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Dieser Artikel erschien zuerst in unserem Kundenmagazin nah klar.

Aus Freude am Fahren

Eigentlich ist die HANSeatische Eisenbahn mit Zügen unterwegs. Doch während der Vollsperrung der Strecke zwischen Stendal und Rathenow hat sie den Schienenersatzverkehr selbst übernommen: mit eigens angeschafften Bussen und einem eigenen Fahrerteam, das mit viel Herzblut unterwegs ist − wie Chefin Sandra Löbe.

Das Fahren macht mir einfach Spaß

Wenn Sandra Löbe am Steuer ihres neuen Busses durch das Milower Land zwischen Stendal und Rathenow kurvt, geht ihr jedes Mal das Herz auf. Eintönig? „Nein, ich liebe das“, sagt die 46-Jährige mit dem blonden Kurzhaarschnitt und der markanten Designerbrille. Schon mit neun Jahren hatten ihr die Eltern das Autofahren auf einer abgelegenen Panzerstraße gezeigt – seither hat sie Benzin im Blut. „Das Fahren macht mir einfach Spaß“, sagt sie und lächelt vom Fahrersitz ihres Iveco-Busses, Typ Crossway – ein nagelneues, zwölf Meter langes Fahrzeug mit rund 300 PS und 43 Sitzplätzen. Mindestens bis zum Jahresende wird das so weitergehen. Denn die eigentliche Trasse ist zurzeit gesperrt, weil sie elektrifiziert wird. Nach dem Ende der Bauarbeiten, die bis Dezember geplant sind, sollen auf der Strecke neben den bisherigen LINT-Dieselzügen auch elektrische Doppelstock-Triebwagen fahren können und ein Stundentakt nach Berlin ermöglicht werden. Damit werden die Mobilitätsangebote der Region weiter verbessert, um der wachsenden Nachfrage durch das Deutschlandticket zu entsprechen.

Für Sandra Löbe sind die Bauarbeiten auch eine Chance: Bis zum vorigen Jahr fuhr sie für die 900er-Linien in ihrer Heimatstadt. Dann ergab sich die Möglichkeit für den Neuanfang: Die HANSeatische Eisenbahn „HANS“ mit ihrem engagierten Geschäftsführer René Haber-Henning hatte beschlossen, den Schienenersatzverkehr für die Regionalbahnstrecke RB34 zwischen Stendal und Rathenow selbst zu übernehmen. Es ist eines ihrer wenigen Busangebote. Bisher betrieb sie vor allem die sommerliche Rundbuslinie am Plauer See mit fünf Fahrten am Tag. Nun kaufte die erfahrene Bahngesellschaft drei nagelneue Busse und stellte mehrere Frauen und Männer als Fahrerteam ein. „Auch wenn unser Herz für die Schiene schlägt, sehen wir den Verkehrsbedarf der Öffentlichkeit als unsere Aufgabe“, sagt Haber-Henning (siehe Interview). Im Juni 2025 ging es los.

Mit dem Bus von der Hansestadt Stendal bis nach Rathenow: Sandra Löbe genießt die Fahrt jeden Tag

Ein echter Vorteil für die Menschen, die an der Strecke leben

Im Wechsel mit dem Regional­express RE4 – der Stendal und Rathenow auf einer Ausweich­strecke ohne Zwischen­halte verbindet – fahren die HANS-Busse auch die dazwischen liegenden Orte Hämerten, Schön­hausen und Groß­wudicke an. Ein echter Vorteil für die Menschen, die an der Strecke leben. Länge einer Runde: 99,5 Kilometer. Fahr­zeit pro Richtung: 66 Minuten. Team­leiterin für die Bus­gruppe: Sandra Löbe. Dass der erste Bus der Früh­schicht um 4:48 Uhr in Stendal starten muss und die letzte Verbindung der Spät­schicht erst um 23:11 Uhr wieder in Stendal ist – geschenkt! „Solche Zeiten bin ich seit Jahren gewöhnt“, sagt sie.

Dabei hatte die Mutter einer Tochter nach ihrem Schulabschluss zunächst Raumausstatterin gelernt. Doch ihre alte Leidenschaft ließ sie nicht los. Nach ein paar Jahren stieg sie aufs Taxifahren um, 

und als ihr Chef neue Leute für einen Busbetrieb suchte, meldete sich Sandra Löbe sofort. Nach einigen Jahren im regulären Busverkehr kümmert sie sich nun mit viel Herzblut um den Schienenersatzverkehr, um die Fahrzeuge und ihre Kolleginnen und Kollegen bei HANS. Geplant war das allerdings nicht: Eigentlich hatte sie sich als Kundenbetreuerin in den Zügen der HANS-Bahn beworben, zumal ihre Schwester bereits bei dem Unternehmen arbeitet. Doch die Personalverantwortlichen eröffneten ihr angesichts ihrer Bus-Erfahrung die überraschende Chance, in den neuen Schienenersatzverkehr einzusteigen. Sandra Löbe sagte wieder sofort zu und brachte sogar noch erfahrene Kolleginnen und Kollegen mit. 

Sie hofft darauf, dass sich angesichts der zahlreichen aktuellen Modernisierungsprojekte im Bahnverkehr neue Aufgaben fürs Busfahren ergeben, bei denen sie wieder gebraucht wird. Und wenn sie mal nicht hinterm Lenkrad sitzt, entspannt sie sich am liebsten bei Spaziergängen draußen in der Natur – zusammen mit ihren zwei Yorkshire Terriern, die sie genauso liebt wie das Busfahren.

„Das ist unsere Aufgabe“

René Haber-Henning, seit 2018 Geschäftsführer der HANSeatische Eisenbahn, zum Schienenersatzverkehr

Was hat die Hanseatische Eisenbahn dazu bewogen, den Schienenersatzverkehr für die RB34 selbst anzubieten und eigene Busfahrer anzustellen?

RENÉ HABER-HENNING: Als HANSeatische Eisenbahn sind wir nicht nur dem Schienennahverkehr 

verschrieben. Seit geraumer Zeit bieten wir auch andernorts öffentliche Busverkehre an. Auch wenn unser Herz für die Schiene schlägt, geht es für uns darum, den Verkehrsbedarf der Öffentlichkeit zu bedienen und unsere hohen Qualitätsstandards auch während langanhaltender Baumaßnahmen aufrechtzuerhalten. Das sehen wir als unsere Aufgabe.

Wie ist es Ihnen gelungen, dafür ein neues Team aufzustellen?

RENÉ HABER-HENNING: Durch unsere Erfahrungen im Busverkehr wussten wir bereits, was wir von den neuen Kolleginnen und Kollegen erwarten. Dank einer klar definierten Stellenausschreibung konnten wir dann sehr schnell zehn Neueinstellungen vor- nehmen. Alle neuen Kolleginnen und Kollegen sind bereits ausgebildete Busfahrerinnen und Busfahrer aus allen Altersgruppen und mit teils langjähriger Berufserfahrung. Besonders freut uns, dass wir mehrere Kolleginnen und Kollegen für eine Rückkehr in die Branche begeistern konnten. Sie erhalten nun in 

regelmäßigen Abständen Auffrischungen zu bestimmten Ausbildungsinhalten. Die Kosten tragen wir als HANS. So bleibt unser Team bestmöglich ausgebildet und informiert.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dem Projekt mit?

RENÉ HABER-HENNING: Die anhaltende Zuverlässigkeit des Schienenersatzverkehrs und die Integration der neuen Kolleginnen und Kollegen zeigen uns, dass unsere Entscheidung richtig war. Gerade beim Start des Teams in unserem Unternehmen war es uns wichtig, alle Beteiligten wirklich an Bord zu wissen. Dafür haben wir beispielsweise ein separates Kennenlernen initiiert, sind gemeinsam die Strecken abgefahren und haben Aufenthaltsräume besichtigt. Diese kollegiale Einstiegsphase war eine wichtige Erfahrung für alle und hat maßgeblich zum Erfolg des Projekts beigetragen.

 
 

Wir begleiten einen Fahrdienstleiter in seinem Traumberuf, erleben „Geiles Theater“ und den Frühling zwischen Blüten und Mythen und fahren mit der HANSeatischen Eisenbahn Bus.  Sei dabei und hol dir unser Kundenmagazin nah klar jetzt in den Zügen, Bussen im mein-Takt-Netz und auf eurem Bahnhof.

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