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Projekt Saftbahn: Perspektive für eine S-Bahn-Verbindung zwischen Köthen und Leipzig

Eine Machbarkeitsstudie zeigt gute Voraussetzungen für die Reaktivierung der Bahnstrecke Bitterfeld – Stumsdorf.

Die Umsetzung ist langfristig möglich, wenn sich in den weiteren Planungen keine erheblichen Mehrkosten ergeben. Das mitteldeutsche S-Bahn-Netz könnte dann um eine Linie Köthen – Zörbig – Sandersdorf – Leipzig erweitert werden.

Direkte Anbindung an Leipzig mit Potenzial für die Region

  • Rund 31.000 Menschen könnten bei Umsetzung des Projekts neu an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angebunden werden.
  • Sandersdorf, Zörbig und Köthen erhielten eine direkte Verbindung in die Metropolregion Leipzig und damit einen besseren Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildungs- und Versorgungsangeboten.
  • Die verbesserte Erreichbarkeit stärkt die Verflechtung mit dem mitteldeutschen Wirtschaftsraum und kann die Attraktivität der Kommunen als Wohn- und Unternehmensstandorte erhöhen.
  • Gleichzeitig verbessert die direkte Schienenanbindung die Erreichbarkeit wichtiger Gewerbe- und Industriestandorte, darunter der Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen, das Industriegebiet Brehna sowie der Technologiepark Mitteldeutschland. Damit entstehen bessere Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung und Fachkräftegewinnung.

So könnte die S‑Bahn fahren

Die aus Leipzig kommende S-Bahn-Linie S2 würde bei Reaktivierung der Strecke ab Bitterfeld über Sandersdorf, Zörbig und Stumsdorf bis Köthen verlängert werden.

  • Sandersdorf und Zörbig (zusammen ca. 8.500 Einwohner) würden eine komplett neue durchgehende S-Bahn-Verbindung direkt in den Leipziger City-Tunnel erhalten.
  • Kleinere Orte entlang der Strecke (in Summe ca. 2.500 Einwohner) wie z. B. Arensdorf oder Großzöberitz bekämen eine Direktanbindung an die großen Zentren der Region.
  • Reisende von Köthen (ca. 20.000 Einwohner) nach Leipzig könnten zusätzlich zu den bestehenden Umsteigeverbindungen über Halle die neue S-Bahn-Verbindung direkt in die Leipziger Innenstadt nutzen. 
  • Bitterfeld und Köthen würden mit der S-Bahn schnell und direkt verbunden.

 

Machbarkeitsstudie bestätigt wirtschaftliche Tragfähigkeit

Die Machbarkeitsstudie hat Nutzen und Kosten einer Reaktivierung der Saftbahn berechnet. Hierzu wurde das bundesweit einheitliche Verfahren der standardisierten Bewertung angewendet, welches die Grundlage für eine mögliche Förderung durch den Bund nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) darstellt.

  • Der Bund übernimmt bis zu 90 % der Investitionskosten, wenn das Nutzen-Kosten-Verhältnis größer 1,0 ist
  • Das Nutzen-Kosten-Verhältnis beträgt 1,14
  • Eine Förderung nach GVFG ist daher möglich, wenn sich bei den weiteren Planungsschritten keine erheblichen Kostensteigerungen ergeben
  • In der Machbarkeitsstudie wurde ein Risikopuffer von 30 % berücksichtigt

Sachsen-Anhalt hat aufgrund seines dichten Bahnnetzes in Kombination mit seiner geringen Bevölkerungsdichte schwierige Voraussetzungen, um die bundesweit einheitlichen Kriterien zu erfüllen. Deshalb konzentriert sich das Land gezielt auf dieses aussichtsreiche Reaktivierungsprojekt.

So geht es jetzt weiter

Ob künftig S-Bahnen über die Saftbahn fahren, entscheidet sich mit den nächsten Planungsphasen.

Die Durchführung von detaillierten Planungen, die Beteiligung von Bürgern und Institutionen, die Klärung der Finanzierung und die Genehmigung brauchen Zeit. Erfahrungen von anderen Reaktivierungsvorhaben in Deutschland zeigen, dass bei Projekten dieser Größenordnung mindestens 10 Jahre notwendig sind, bis die ersten Züge fahren können.

Das sind die nächsten konkreten Schritte:

  1. Machbarkeitsstudie: abgeschlossen 
  2. Projektstruktur aufsetzen: Planungsvereinbarung mit allen Beteiligten abschließen & Ausschreibung der Planungsleistungen
  3. Vorplanung: Entscheidungen zu verschiedenen Varianten der technischen Umsetzung
  4. Entwurfsplanung: Detailplanung der Vorzugsvariante
  5. Genehmigungsplanung: Prüfung der Umweltbelange (z. B. Lärmschutz) & Vorbereitung Antrag zum Planfeststellungsvorhaben
  6. Planfeststellungsverfahren: Erteilung des Baurechts durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bzw. Landesverwaltungsamt
  7. Bau: Durchführung der Baumaßnahmen zur Reaktivierung der Strecke

Parallel wird darauf geachtet, dass laufende Maßnahmen entlang der Strecke bereits „reaktivierungsfit“ sind – also so umgesetzt werden, dass sie zur S‑Bahn-Planung passen.

Download

Vollständiger Bericht zur Machbarkeitsstudie

Die Machbarkeits- und Potenzialstudie für eine Reaktivierung der Strecke Stumsdorf – Bitterfeld wurde 2025 durch die PTV Transport Consult GmbH in Kooperation mit der TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH im Auftrag der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH durchgeführt. 

Der Bericht zur Machbarkeitsstudie kann hier heruntergeladen werden.

Machbarkeitsstudie

Fragen und Antworten zum Projekt

Nein, ein verbindlicher Beschluss zur Umsetzung kann erst mit dem Planfeststellungsverfahren getroffen werden. Bis dahin sind noch mehrere Planungsschritte notwendig.

Ein konkretes Datum gibt es noch nicht. Die Erfahrung von anderen Reaktivierungsprojekten in Deutschland zeigt, dass Planung, Genehmigung und Bau mindestens 10 Jahre dauern.

Noch gibt es keine Gewissheit, dass die Reaktivierung erfolgreich abgeschlossen wird.

In der Machbarkeitsstudie wurde eine Risikopuffer von 30% unterstellt, der einen gewissen Spielraum für die kommenden Planungsphasen bietet. Sollten in den nächsten Planungsphasen jedoch nicht vorhersehbare hohe Kostensteigerungen identifiziert werden, könnte die Förderfähigkeit infrage gestellt werden. Ohne eine 90-prozentige Bundesförderung ist das Projekt voraussichtlich nicht finanzierbar.

Der Gutachter rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von ca. 130 Millionen Euro für die Reaktivierung (Preisstand 2025). Darin sind Bau- und Planungskosten sowie ein Risikozuschlag enthalten. Durch die Inflation werden die tatsächlichen Baukosten voraussichtlich etwas höher liegen.

Bis zu 90 % der Kosten können über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) durch den Bund gefördert werden, wenn das Nutzen-Kosten-Verhältnis auch in den weiteren Planungsphasen über 1,0 bleibt. Die Verteilung der restlichen Kosten wird in einer noch zu erstellenden Planungsvereinbarung geregelt.

Die Schließzeitenberechnungen sind Teil der weiteren Planungsphasen.

Durch die ohnehin erforderliche Errichtung moderner, automatischer Bahnübergangstechnik in Verbindung mit der Erhöhung der Streckengeschwindigkeiten werden die Schrankenschließzeiten vergleichsweise kurz ausfallen.

Alle Auswirkungen der Reaktivierung auf Anwohner und Umwelt werden in den weiteren Planungsphasen detailliert untersucht. In der Machbarkeitsstudie wurden aber bereits pauschale Kosten für den Lärm- und Umweltschutz integriert.

Die Investitionskosten in die Infrastruktur wären durch Verzicht auf die Oberleitung geringer. Allerdings sind Akkuzüge sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb erheblich teurer als rein oberleitungselektrisch betriebene Züge. Daher hat die Machbarkeitsstudie festgestellt, dass der volkswirtschaftliche Nutzen mit Elektrifizierung höher ausfällt, als mit Akkuzügen.

Auch der Güterverkehr profitiert von der Errichtung der Oberleitung, da der häufig nötige Lokwechsel in Bitterfeld entfallen kann.

Der Personenverkehr wurde Ende September 2002 eingestellt, weil die Finanzmittel zum Betrieb des Regionalzugverkehrs durch den Bund erheblich gekürzt worden sind. Der Abschnitt Bitterfeld – Zörbig wird weiterhin von Güterzügen befahren.

Damals fuhren die Züge ca. alle zwei Stunden zwischen Bitterfeld und Stumsdorf mit im Mittel nur 37 km/h aufgrund des schlechten Infrastrukturzustands. Wichtige Ziele wie Köthen oder Leipzig waren nur mit Umstieg erreichbar und parallel zur Bahn fuhren Busse. Die Nachfrage war entsprechend mit weniger als 8 Fahrgästen pro Zugfahrt sehr niedrig.

Damals waren keine Finanzmittel vorhanden, um Investitionen zur Erhöhung der Geschwindigkeit durchzuführen und dauerhaft höhere Betriebskosten zur Ausweitung des Fahrplanangebots zu stemmen.

Derzeit sind die Finanzierungsmöglichkeiten deutlich besser als im Jahr 2002. Der Bund fördert bis zu 90 % der Investitionskosten für Reaktivierungsvorhaben, wenn der Nutzen größer als die Kosten ist. Auch für den Betrieb des Regionalzugverkehrs stehen dem Land Sachsen-Anhalt heute mehr Mittel zur Verfügung als noch vor 20 Jahren.

Das im Vergleich zu anderen abbestellten Bahnstrecken hohe Fahrgastpotenzial der Saftbahn sowie das Engagement der anliegenden Städte und Gemeinden hat das Land zum Anlass genommen, die Planungen für eine Reaktivierung zu starten.

Früher wurden auf der Strecke landwirtschaftliche Produkte wie Zuckerrübensirup transportiert. Daher bekam sie von der Bevölkerung den Namen „Saftbahn“.