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Dieser Artikel erschien zuerst in unserem Kundenmagazin nah klar.

Vier Busse auf zwei PlusBus-Linien

Wer bei einem Rendezvous an Kerzenschein, Schmetterlinge im Bauch und einen klaren Sternenhimmel denkt, der muss beim Elbe-Havel-Stern nur auf die Kerzen verzichten. Die neue Rendezvous-Haltestelle in Fischbeck sorgt zumindest schon bei den beteiligten Planern für Schmetterlinge im Bauch und lässt für alle Fahrgäste im Norden des Landes einen Nahverkehrsstern erstrahlen.

Das eigentliche Rendezvous jedoch findet zwischen vier Bussen auf zwei PlusBus-Linien statt. Diese Busse gehören zu zwei verschiedenen Verkehrsunternehmen. Die PlusBus-Linie 790 der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL) und die PlusBus-Linie 900 der stendalbus GmbH treffen ab Februar 2024 zeitgleich in Fischbeck ein und schaffen ein völlig neues Busangebot für die Elbe-Havel-Region. Damit werden die Städte Stendal, Havelberg, Genthin und Tangermünde im verlässlichen Stundentakt direkt miteinander verbunden. Das Besondere daran: Die Busse kommen nicht nur zeitgleich aus den vier Himmelsrichtungen an; sie warten auch aufeinander und sorgen dafür, dass die Fahrgäste in den Bus umsteigen können, der sie an ihr gewünschtes Ziel bringt. Davon profitieren 65.000 Menschen aus 14 angrenzenden Ortschaften.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Die Städte Genthin, Havelberg, Stendal und Tangermünde sind stündlich verbunden.
  • Daraus resultieren dichtere Taktungen, kürzere Fahrzeiten und neue Verbindungen.
  • Die Fahrgäste lösen nur ein Ticket.

Der Planer

Für die Organisation des Busverkehrs ist im Normalfall der jeweilige Landkreis verantwortlich. Bei besonders wichtigen Linien, den sogenannten PlusBus-Linien, die den Nahverkehr dort hinbringen, wo die Bahngleise nicht hinkommen, steht das Land Sachsen-Anhalt den Unternehmen vor Ort planerisch und finanziell zur Seite.

Einer dieser Planer ist Gregor Opfermann von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA GmbH). Er hat alle landesbedeutsamen Busverbindungen in Sachsen-Anhalt im Blick und schaut, wo ausreichend Menschen leben, um ein wirtschaftlich tragfähiges und attraktives Angebot zu entwickeln. So entstand auch die Idee vom Elbe-Havel-Stern. Der studierte Verkehrsingenieur, der seit Frühjahr 2022 bei der NASA GmbH arbeitet, beschäftigt sich von Tag eins an mit der Frage, wie das Busangebot im Norden des Landes verbessert werden kann und wie die planerischen Herausforderungen bewältigt werden können.

Im kleinen Fischbeck entsteht zukünftig eine moderne Mobilitätsstation

Viel Fläche - wenig Menschen

Das Jerichower Land und der Landkreis Stendal zählen zu den flächenmäßig größten Landkreisen Deutschlands und sind gleichzeitig sehr dünn besiedelt. Um dem demografischen Wandel, den Pendlerströmen und dem Schülerverkehr gerecht zu werden und regelmäßige Verbindungen zwischen den Städten zu ermöglichen, entstand die Idee, die bestehenden Buslinien 742 und 900 miteinander zu verknüpfen und zu PlusBus-Linien aufzuwerten. Zwei Landkreise, zwei Busunternehmen und die NASA GmbH als Kuppler – das ist der Stoff, aus dem der Nahverkehrstraum gewebt ist. Oder um es mit den Worten Gregor Opfermanns zu sagen: „Das ist ein riesiges Projekt, mit dem wir die beteiligten Verkehrsunternehmen ganz schön herausfordern.

Aber was genau macht dieses Zusammentreffen so kompliziert?

Hand in Hand

Die beiden Busunternehmen arbeiten im Tagesgeschäft völlig unabhängig voneinander. Zwei komplett getrennte Wirtschaftsunternehmen. Durch den Elbe-Havel-Stern sind sie nun punktuell miteinander verbunden und müssen sich über Fahrpläne, Haltestellen, gemeinsame Tarife und vor allem über die Anschlusssicherung austauschen. Das bedeutet für beide Seiten einen erheblichen Mehraufwand. Die

NASA GmbH stand den Unternehmen dabei immer beratend zur Seite. „Wir pflegen schon immer gute Kontakte zur NASA“, bestätigt Daniela Kramper. Sie ist seit 1999 bei der NJL und seit 2019 Prokuristin. In der Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsunternehmen gibt es für sie keine Berührungsängste oder Konkurrenzgedanken. Frühzeitig wurden auch Akteure aus Politik und Verwaltung eingebunden. „Wir standen zum Beispiel in engem Austausch mit der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land“, sagt Sarah Fretter, Geschäftsführerin der stendalbus GmbH.

 

Der neue Fahrplan, der die bestehenden Verbindungen beschleunigt und neue ermöglicht (z. B. von Stendal nach Genthin), wirkt sich auch auf die Fahrerinnen und Fahrer der Busse aus. Sie arbeiten am Wochenende nun in sechs kürzeren Schichten, statt wie bislang in drei langen. Dafür mussten die Betriebsräte an Bord geholt werden. Auch das gelang den Projektbeteiligten.

Nachdem geklärt war, wie der anspruchsvolle Fahrplan umgesetzt werden kann und wie die kleineren Orte trotz der direkteren Linienführung angebunden bleiben, war noch ein ganz wichtiger Punkt zu regeln, der für das Gelingen des Rendezvous entscheidend war: der Fahrscheintarif. Während stendalbus mit einem Haustarif arbeitet, verkehrt die NJL im marego-Verbund. Zwei völlig voneinander getrennte Tarifsysteme wurden über die Bordrechner so kombiniert, dass die Fahrgäste z. B. in Genthin einsteigen und beim NJL-Personal einen Fahrschein kaufen können, der sie bis Stendal in das Gebiet der stendalbus GmbH bringt. „Bequemer geht es kaum“, ist sich Daniela Kramper sicher. Sarah Fretter hofft, dass die Fahrgäste auf beiden Seiten der Elbe den Elbe-Havel-Stern zu schätzen lernen und diesem besonderen Rendezvous zum Erfolg verhelfen.

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